Gedichte (191) – Pfauenfeindlichkeit

Pfauenfeindlichkeit

Hans-Peter ist fast schon ein Greis
Schuftet im Zoo wie jeder weiß
Als Tierpfleger so Tag für Tag
Ob’s regnet, ob die Sonne scheint
Wo er fast alle Tiere mag
Jedoch, er ist ein Pfauenfeind

Schön den Kopfschmuck auf dem Haupt
Diese elend eitlen Viecher
Das hübsche Kleidchen abgestaubt
Und immer schön weit hoch – der Riecher

Hans-Peter kann sie gar nicht leiden
Schon seit langem gibt’s da Streit
Und dass sie ihn auch tunlichst meiden
Das weiß er seit geraumer Zeit

Charakterschweine, selbstgerecht
Sind die Viecher außerdem
Von allertiefstem Herzen schlecht
Wer sowas sagt braucht sich nicht schäm‘

Gucken auch oft gar so finster
Wissen nicht wie gut sie’s haben
Als täte er ins Futter Ginster
Oder Exkrement vom Raben

Dabei ist alles bester Fraß
Sind halt einfach dumm im Herzen
Kein Pfau hier je was schlechtes aß
Sein Hass bringt ihm fast physisch Schmerzen

Er hat sich schon beim Chef beschwert
Die Pfauen zurück auf den Herd
Wo die nur auf ihr äußeres achten
Würd‘ er dann nach der Kruste trachten

Doch da er nie was böses tut
Lässt man Hans-Peter einfach reden
Seinen Job, den macht er gut
Ein Makel ziert ja schließlich jeden

Hans-Peter ist im Kopfe eben
Von etwas Irrsinn stets umgeben
Er gibt dem Nilpferd einen Kuss
Macht für heute langsam Schluss
Zieht die Tierpfleger-Jacke aus
Und hüpft schief singend dann nach Haus

Gedichte (188) – Origami

Hallo zusammen,

das folgende Gedicht war ein Themengedicht für den Dichtungsring vom April 2017.

Viele Grüße
Arno


Origami

Am Anfang war Papier
Das war schon lange hier
Ich war allein
Und da war Bier

Und da sie in meinem Leben
Sowieso zum Vorschein streben
Trank ich schnell vom Bier, dem kalten
Und begann mit falten

Falten ist und sind in meiner Welt
Auf Sieg und Vormarsch eingestellt
Wie vor langer Zeit nun schon
Der gute Herr Napoleon

So saß ich da, trank ein paar Bier
Und faltete Papier
Mit Rückenschmerz und müden Knochen
Übte ich Tage und Wochen
Ich war ein alter Falter
Mein Frust war ein geballter

Es wurd‘ gebastelt und geknickt
Mit der Zeit auch ganz geschickt

Ich schuf zunächst manches Banale
Tiere und Fingerskateboardrampen
Irgendwann dann eine ganze Steuerzentrale
Mit Schaltern und Lampen
Ich schaltete und waltete
Und faltete

Dann eine neue Wohnung, ein neues Bett
Ein Ofen, eine Pfanne, ein gutes Schweinskotelett
Alles ward gefaltet, schließlich gar ein Puter
Und ich sah, dass es gut war.

Gedichte (159) – Der Bischof

Hallo allerseits,
Matthias und ich bitten ja vor jedem Dichtungsring um ein Thema, um ein entsprechendes Gedicht dazu zu schreiben. Letztes Mal bekamen wir ein Bild von dem ich vermutete, dass es sich dabei um einen gemalten Bischof handelt. Darum ist diese Gedicht entstanden.
Habt eine schöne Zeit,
Viele Grüße,
Arno


Der Bischof

Starr steht er da auf weißem Grund
Die Mütze spitz, sein Stab ganz rund
und schneckengleich
Verbunden mit dem Himmelsreich
Der Bischof sieht mich bärtig an
Weil er mehr nicht tun kann
Sagt nichts, tut nichts, optimal
Wird nie Papst, nie Kardinal
Entscheidet und er predigt nicht

Mit Bleistiftstrich ist er gemalt
In einem deutlich bess’ren Licht

Wie er da so vom Blatte strahlt
Ist er befreit von allem Schlechten

Im Gegensatz zu einem echten
Stellt der gemalte Glaubensmann
Zumindest keinen Unfug an